Leseprojekt „Erlebte Bücher – Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Sprachen“

Ein Projekt zur Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen in Sachsen

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1. Ausgangslage und Anliegen des Projekts:

Zahlreiche Studien zeigen, dass Bilderbuchbetrachtungen und Vorlesen zu den wichtigsten sprachförderlichen Aktivitäten gehören: Bücher bieten Sprechanlässe, erweitern den Wortschatz und das Wissen über Textaufbau und –struktur und führen in Regularitäten der Schriftsprache ein. Zudem wird aktives Zuhören vermittelt. Darüber hinaus ermöglichen Bücher, Diversität auf allen Ebenen erfahrbar zu machen und bieten somit Raum, sich selbst in dieser Vielfalt zu verorten und sprachlich zu artikulieren.

Insbesondere dialogische Bilderbuchbetrachtungen, bei denen die Kinder nicht nur Zuhörer, sondern aktive Mitgestalter sind, haben sich als wertvoll und effektiv erwiesen die kindliche Sprachentwicklung gezielt zu unterstützen. Es stellt sich die Frage, inwieweit dieses gut für die Praxis aufgearbeitete Wissen zur Bilderbuchbetrachtung allgemein und dem dialogischen Lesen im Speziellen in den sächsischen Kindertageseinrichtungen verankert ist.

Häufig zeigt sich in der Praxis das Problem, dass bei Kindern im Kindergartenalter regelmäßiges Vorlesen und Bilderbuchbetrachtungen in den empfohlenen Kleingruppen bzw. mit einzelnen Kindern aufgrund der Rahmenbedingungen nur bedingt möglich sind. Beim Vorlesen in größeren Gruppen aber ist die dialogische Bilderbuchbetrachtung schwer so umzusetzen, dass alle Kinder sprachlich davon profitieren können: Zum einen gibt es hier für jedes einzelne Kind nur wenig Möglichkeiten sich zu äußern, zum anderen erschweren häufige und längere Unterbrechungen durch die Kinder, die ganz unterschiedliche Themen besprechen möchten, das Verstehen inhaltlich komplexerer Geschichten und Themengebiete. Gerade solche Geschichten regen jedoch zum „sustained shared thinking“, dem „vertieften, gemeinsamen verbalisierten Denken“ an, das sich in zahlreichen Untersuchungen als besonders wertvoll für kindliches Lernen im Allgemeinen und insbesondere für sprachliches Lernen gezeigt hat.

Es stellt sich also die Frage, wie eine Auseinandersetzung aller Kinder sowohl mit den sprachlichen Anforderungen als auch dem Inhalt eines Buches sichergestellt werden kann. Hilfreich ist es, den Inhalt (und auch die Sprachstruktur) von Büchern durch weiterführende Aktivitäten zu vertiefen und so für die Kinder erlebbar zu machen. Dabei sollten die Aktivitäten so gestaltet sein, dass alle Beteiligten die Möglichkeit bekommen, sich noch einmal intensiv über das Buch/die Geschichte auszutauschen (nonverbal oder verbal). So kann während der Bilderbuchbetrachtung der Fluss der Geschichte aufrechterhalten werden, die Kinder bekommen aber dennoch die Gelegenheit, sich aktiv mit den Inhalten und ihrer sprachlichen Gestaltung zu beschäftigen.

2. Ziele des Projektes

Im geplanten Projekt soll den pädagogischen Fachkräften exemplarisch an 10 ausgewählten Büchern aufgezeigt werden, wie sie (auch in sprachlich heterogenen Großgruppen) Kindern von 5-6 Jahren ermöglichen können, sich intensiv mit den Inhalten und sprachlichen Strukturen der Bücher zu beschäftigen. Dabei wird auch aufgezeigt, wie Bilderbücher gezielt eingesetzt werden können, um Kindern und pädagogischen Fachkräften Diversitätserfahrungen zu ermöglichen und sich mit diesen auseinanderzusetzen.

3. Gegenstand der Förderung

Im Rahmen des Projekts können 13 sächsische Kindertageseinrichtungen gefördert werden, deren Fachkräfte zu den Themenkomplexen Mehrsprachigkeit, Interkulturalität, Literacy sowie zum Einsatz der vom Projektteam entwickelten Bücherkisten geschult werden.

  1. Die pädagogischen Fachkräfte nehmen an einer Inhouse-Fortbildung und einem vierstündigen Workshop (gesamt 1,5 Tage) teil.
  2. Jede Einrichtung erhält ein Bücherpaket mit 10 geeigneten Büchern, die einerseits der Sprachförderung dienen und andererseits Andersartigkeit und Vielfalt als Normalität thematisieren und den dazu passenden Arbeitsmaterialien.

5. Zuwendungsvoraussetzungen

  1. Die Kindertageseinrichtung liegt in Sachsen.
  2. Die Einrichtung ist nicht als Sprach-Kita im Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ beteiligt.
  3. Einrichtungen, deren pädagogischer Alltag durch kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit geprägt ist, werden besonders berücksichtigt. Seite 3 von 3
  4. Die Einrichtung stellt 1,5 Tage Fortbildungszeit für das gesamte Team (max. 15 Teilnehmer) oder Kolleginnen und Kollegen, die vorrangig mit der Altersgruppe 5-6-jähriger Kinder arbeiten, zur Verfügung. Die Fortbildungstermine werden von der Einrichtung selbst bestimmt, müssen aber zwischen August und Dezember 2016 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen liegen. Ein Tag umfasst 8h, ein weiterer umfasst 4h. Eine Aufteilung auf einen halben Freitag und einen ganzen Samstag ist möglich. Die Fortbildung findet in der Einrichtung oder in einem von der Einrichtung gewählten geeigneten Schulungsraum statt.
  5. Die Kindertageseinrichtung erklärt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Projektteam und nimmt an der wissenschaftlichen Evaluation teil. 

Ausgewählt werden die ersten 13 Kindertageseinrichtungen, die die unter Punkt 5 genannten Kriterien erfüllen und sich fristgerecht bis zum 31.07.2016 beworben haben. Interessenten, die sich für das Projekt bewerben wollen, senden eine Interessensbekundung per E-Mail an folgende Kontaktdaten: info@lakos-sachsen.de

Hier geht es auch zu den Ausschreibungsunterlagen.

Das Projekt wird in enger Kooperation mit dem Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen (LakoS) durch das Institut für Sprache und Kommunikation in Bildung, Prävention und Rehabilitation (INSKOM) durchgeführt.

www.lakossachsen.de

Die Broschüre Miteinander Lesen - Miteinander Sprechen, welche im Rahmen des Sächsischen Landesmodellprojekts entstanden ist, stellt ausgewählte Methoden für eine alltagsintegrierte Sprachförderung von Kindern vor.

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