Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingskindern meistern

Ideen für Bildungsaktivitäten mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften

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Inklusion bedeutet, Menschen in ihrer Vielfalt anzuerkennen, willkommen zu heißen und je nach ihren Fähigkeiten zu fördern. Integration ist nicht Assimilation, sondern die Einbindung von Menschen unter Anerkennung ihrer Identität in eine Gemeinschaft. Und um echte Inklusion und Integration geht es, wenn wir mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften Bildungsaktivitäten unternehmen. Zwar ist die Flüchtlingswelle etwas kleiner geworden, doch fängt die eigentliche Arbeit jetzt erst an.

Nur wenn es gelingt, Unsicherheiten und Ängste vor dem Unbekannten abzubauen und Raum für neue gemeinsame, positive Erfahrungen zu schaffen, ist echte, für alle bereichernde Integration machbar.

Deutsche Kinder für die Situation der Flüchtlingskinder sensibilisieren

Es geht zwar in erster Linie darum, dass die Flüchtlingskinder Deutsch lernen, aber es geht auch darum, dass die deutschen Kinder ein Verständnis dafür aufbringen, wie diese Kinder sich fühlen, wenn alles fremd ist. Nur dann gelingt Integration. Was können wir tun, um die Situation der Flüchtlingskinder den Nichtflüchtlingskindern näherzubringen und diese dafür zu sensibilisieren? Wir können gemeinsam mit den Kindern überlegen, in welchen Situationen sie sich schon einmal fremd gefühlt haben. Auch kleine Filme oder Bilderbücher helfen den Kindern, sich in die besondere Situation einzufühlen. Sie verstehen dann, warum sich die Kinder bedroht gefühlt haben und warum es sie so geprägt hat, Bedrohung hautnah zu erleben. Nur durch dieses Verständnis können die Kinder auf die Situation der Flüchtlingskinder eingehen. Pädagogen sollen nicht nur die Kinder verstehen, sondern so auf die Kinder einwirken, dass das zunächst Fremde für sie vertraut wird und sie sich in die anderen Kinder einfühlen. Erst dann können auch Patenschaften funktionieren.

Rolle und Aufgaben der Erzieher bei der Integrationsarbeit in der Kita

Um reflektiert und professionell die Integration von Flüchtlingskindern in der Kita zu ermöglichen, sollten wir folgende Aspekte bedenken: BEI DER EINGEWÖHNUNG: • Wo können wir Informationen über die Herkunftsländer beschaffen? • Wie können wir uns mit anderen Kitas austauschen? • Gibt es die Möglichkeit der Beratung und Supervision? • Welche Materialien brauchen wir zusätzlich? • Was gibt den Kindern Sicherheit? ZUR EIGENEN HALTUNG:

Jeder Pädagoge sollte seine eigene Haltung gegenüber Fremdem kritisch reflektieren: • Lassen wir uns von Vorurteilen beeinflussen? • Wie fühlen wir uns, wenn uns etwas fremd ist? • Wann und warum sind wir überfordert und wo holen wir uns Hilfe? • Wo setzen wir Grenzen und warum? • Was hat gut geklappt und wie bauen wir das aus? Ganz wichtig ist eine wertschätzende Haltung den Kindern gegenüber: • positiv auf die Fortschritte achten • nicht defizitorientiert arbeiten • darauf achten, dass die Kinder selbstständig arbeiten • sie dabei begleiten, statt alles vorzugeben • darauf achten, dass Integrationsprozesse möglich werden, dass Kinder nicht allein für sich arbeiten, sondern in gemischten Teams • Konflikte aufgreifen und besprechen • Probleme sensibel wahrnehmen und an Lösungen arbeiten

Drei Fragen zur Integration von Flüchtlingskindern an Dagmar Dittmers, Sozialmanagerin einer Hamburger Unterkunft

Liebe Dagmar, du hast viel Erfahrung in der Arbeit mit  Flüchtlingskindern.

1) Was hältst du für wichtig, damit die Integration dieser Kinder gelingt? Welche Gedanken hast du dazu? Welche Ideen und Visionen?

Um die Integration der Kinder zu unterstützen ist es wichtig, dass sie Kontakt zu deutschen Kindern haben. Ebenso ist der spielerische „Deutsch-Unterricht“ in Kindergruppen (Gesellschaftsspiele, Lieder, Kreisspiele, Fingerspiele) fördernd, um die Integration zu intensivieren. Deutschlernen ist der Weg zur Integration ... von Anfang an. Jeder Kontakt zu deutschen Mitmenschen, ob klein oder groß, ist förderlich. Dazu gehören natürlich auch Sportkurse oder Eltern-Kind-Gruppen. Offenheit von deutschen Mitbürgern fördert die Integration, dazu gehört natürlich der persönliche Kontakt. Einladungen zu gemeinsamen Festen (z. B. Geburtstage/Kindergarten) oder zu kulturellen deutschen Festen. Jede Art von Einbeziehung in das „neue Leben“ fördert die Integration und das Willkommensein und Ankommen. Geschultes Personal, welches sich mit der Flüchtlingsthematik auseinandersetzt, bereichert und unterstützt die Integration, wie auch Personal mit Migrationshintergrund.

2) Glaubst du, dass man andere Rahmenbedingungen für die Integration dieser Kinder schaffen sollte?

Die Rahmenbedingungen der Kinder wären für mich ganz klar. Alle Flüchtlingskinder sollten von Anfang an die Möglichkeit haben, in deutschen Kindergärten und Kitas betreut und gefördert zu werden. Auch sollten die Kinder von Anfang an in den Schulen integriert werden und keine Beschulung in ihren Camps haben. Ein super Modell ist es, wenn Klassen mit „Flüchtlingskindern“ zunächst alleine Deutschunterricht haben und dann von deutschen Kindern (sogenannten Paten) in die unterschiedlichen Klassen begleitet und auch betreut werden. Isolation entsteht, wenn die Kinder nicht am Leben der deutschen Kinder teilnehmen können. Der Weg heißt „Öffnung“, Miteinbeziehen. So lernen die Flüchtlingskinder durch sehen/hören/nachmachen. Auch die persönlichen Kontakte untereinander sind dazu eine sehr große Bereicherung.

3) Wie bedeutend ist die Einbeziehung der Eltern und Geschwister für die Integration der Kinder?

Eltern und Geschwister sind ein ganz wichtiger Faktor in puncto Integration. Wenn sich die Eltern und Geschwister positiv angenommen fühlen (z. B. durch Eltern-Kind-Gruppen/Deutschkurse mit Kinderbetreuung/Sportkurse etc.), bestärkt dies das positive Bild des Ankommens hier und die Kinder werden ermutigt sich hier einzuleben und sich willkommen zu fühlen. Nach meiner Meinung muss Integration die ganze Familie einbeziehen ... von Anfang an. Es wäre doch super, wenn Flüchtlingsfamilien schon beim Ankommen in Deutschland Paten hätten, die sie immer ein Stück weit begleiten und dabei unterstützen, das neue Land zu verstehen. Im Bereich Kindergarten heißt das: Paten schaffen = Deutsche Eltern nehmen „Flüchtlingseltern“ an die Hand = Einführung und Verständnis für deutsche Kultur erleben. Ebenso in der Schule und auch in Praktika, Lehrstellen etc. In verschiedenen Institutionen könnten Flüchtlinge ihr Können weitergeben, wir lernen voneinander (Kochkurse/ Tänze/Sprache ...). So entsteht in unserer Unterkunft ein „TREFF“, den wir mit den Flüchtlingen, Ehrenamtlichen und Johannitern beleben möchten. Hier gibt es die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch (ein Bewohnerrat/Sprecherrat soll gebildet werden). Dieser Ort soll zum kommunikativen Austausch dienen, die Integration wird gefördert, den Bewohnern eine Stimme gegeben, die Fähigkeiten und Ressourcen der Bewohner werden gestärkt und sie werden ermutigt. Dieser Ort soll ein Ort werden, voneinander zu lernen und sich wertzuschätzen. Dieser Ort, der in jeder Unterkunft vorhanden sein sollte, bietet Raum für interkulturellen Austausch.

 I = Individualität
N = Neues kennenlernen
T = teilhaben am Leben anderer Kulturen
E = Ehrlichkeit
G = Gemeinsamkeit
R = Raum für Neues
A = Austausch untereinander
T = Toleranz untereinander
I = Innigkeit leben
O = Offenheit
N = nicht wegschauen

Integration ist die Chance Neues kennenzulernen, machen wir uns gemeinsam auf den Weg zueinander – aufeinander zu!

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Schön, dass ihr da seid - Das Erzieherinnenbuch
NEUE Ideen für Bildungsaktivitäten mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften
Regina Grabbet
Burckhardthaus-Laetare
ISBN: 9783944548265
112 Seiten
12,95 €

Mehr dazu auf www.burckhardthaus-laetare.de

Für alle, die beruflich oder als freiwillige Helfer an der Integration von Flüchtlingskindern mitwirken, hat Regina Grabbet dieses praktische Sachbuch verfasst. Die erfahrene Praktikerin weiß, wo die Probleme in der Flüchtlingsarbeit stecken und wie Fachleute und Helfer damit gezielt umgehen können. Und sie weiß, dass Integration nur in der Gemeinschaft von Alteingesessenen und Neuankömmlingen geschehen kann. In diesem Buch erklärt Regina Grabbet viele umfangreiche Projekte, aber auch kurze Spiele und Experimente, die einen solchen Erfahrungsraum schaffen können. Sie gibt Tipps und Hintergrundinformationen für Helfer und Erzieherinnen, die direkt aus der Praxis kommen.



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