Fasching mit Hexen, Drachen und einem Zauberer

Hexen, Drachen und Zauberer haben Kinder schon immer fasziniert, nicht erst, seit Harry Potter sie wieder so berühmt gemacht hat. Zauberer haben etwas Geheimnisvolles, manchmal auch ein schrulliges, vergessliches Gehabe an sich, Hexen sind eher frech und eigenwillig. Und die Drachen als leicht verrückte Haustiere der Hexen spielen und tanzen am liebsten nur. Gerade deshalb eignen sich diese Gestalten besonders gut für ein Fest in der Faschings- und Karnevalszeit. Einmal aus der Rolle fallen, nicht immer angepasst und lieb sein müssen, völlig verrückte Sachen anstellen, über die Erwachsene nur missbilligend den Kopf schütteln können, das ist besonders an den „tollen Tagen“ erlaubt.

Wenn solche Streiche im Rahmen eines Festes stattfinden können, fühlen sich die Kinder in ihrem Bedürfnis verstanden. Die zeitliche Begrenzung gibt ihnen die Sicherheit, die sie brauchen, denn im Grunde hat jedes Kind den Wunsch nach klaren Regeln und das „Ausflippen“ kann auch sehr anstrengend sein. Zum Faschingsfest wird ganz offiziell mit einer Karte eingeladen, damit die Kinder die Gelegenheit haben, ihre Eltern darauf vorzubereiten, dass es an dem Tag „nicht ganz normal“ zugehen könnte. Aber wenn Karneval gefeiert wird, haben die Eltern meist sowieso Verständnis dafür. Die Kinder können sich schon früh auf den Tag vorbereiten und freuen, denn die Einladungen gestalten sie selbst und verschicken sie an eine Hexenschwester, einen Drachen oder an den Zauberer.

Die Einladung

Material: Festes Papier, Schere, Stifte, Zwirn, Nadeln

Hexen, Drachen und Zauberer können fliegen – das weiß jeder – und das wird auch auf der Einladung deutlich: Die Kinder zeichnen entweder eine Hexe, einen Drachen oder einen Zauberer auf festes Papier, malen die Figur bunt an und schneiden sie aus. Eine blaue Karte wird zum Himmel, in den die Figur aufsteigt. Mit einer Nadel wird je ein Loch in die linke untere Ecke und die rechte obere Ecke der Karte und eines in die Figur gestochen. Durch die Figur und die beiden Löcher in den Ecken wird ein Faden gezogen, der dann auf der Rückseite der Karte zusammengeknotet wird. Schiebt man die Figur nun an, „schwebt“ sie von links unten nach rechts oben über den „Himmel“. Auf der Rückseite der Karte erfahren die Kinder und Eltern, wann das Fest stattfindet und was mitgebracht werden kann.

Die Festgesellschaft stellt sich vor

Jetzt kann das Fest beginnen, aber die Hexen stürmen nicht einfach in den „zauberhaft“ geschmückten Raum, sondern jede hat ihren eigenen kleinen Auftritt vorbereitet und wird dabei ihre Besonderheiten, kleinen Macken und die eine oder andere auch ihren Hausdrachen vorstellen. Der Zauberer hat im Anschluss daran eine besondere Darbietung und die Drachen führen gemeinsam einen Tanz vor.

Wind-Hexe

Material: Besenstiel

Die erste Hexe kommt auf ihrem Besen angeflogen. Aber wie: Sie hängt wie eine Fledermaus mit dem Kopf nach unten an ihrem Besenstiel! Jetzt werden zwei starke Hexen zum Helfen gebraucht. Die beiden legen sich nämlich den Besenstiel auf ihre Schultern und halten ihn gut fest, damit er nicht herunterrutscht. Da sie nur ein kurzes Stück gehen müssen, brauchen die Schultern nicht abgepolstert zu werden. Die dritte Hexe hängt sich mit den Kniekehlen an den Besenstiel, sodass ihr Kopf nach unten hängt, und lässt sich auf diese Weise ein Stückchen tragen, bevor sie vorsichtig auf den Boden gleitet und mit viel „Wind“ durch den Raum tanzt.

Sause-Hexe

Material: Skateboard

Die zweite Hexe kommt auf dem Skateboard daher. Sie sitzt darauf und lässt sich von einem fauchenden Drachen (einem verkleideten Kind) in den Festsaal hereinziehen.

Super-Hexe

Material: Stabiler Korb mit zwei Henkeln, Tücher, zwei Besenstiele

Die dritte Hexe wird ganz elegant in einer Sänfte hereingetragen. Wie gut, dass diese Hexe so klein und zierlich ist und in den Sänften-Korb hineinpasst! Durch die mit einem Tuch umwickelten Henkel des Korbes (sonst würde er an den Stielen hin- und herrutschen) werden zwei Besenstiele geführt. Die Enden der Besenstiele werden von vier Drachen hochgehoben; so wird die Sänfte samt Hexe darin in den Raum getragen.

Märchen-Hexe

Material: Decke

Die vierte Hexe schwebt auf einem fliegenden Teppich herbei. Auch hier werden wieder starke Hexen und Drachen zum Helfen benötigt. Diese hocken sich um eine Decke, die ausgebreitet auf dem Boden liegt, rollen sie an allen Seiten ein wenig ein, damit sie besser gepackt werden kann, heben die Hexe auf ihrem Teppich hoch und tragen sie auf diese Weise durch den Raum. Die Hexe liegt entweder auf ihrem Gefährt oder sie sitzt, obwohl es gar nicht so einfach ist, während des „Fluges“ das Gleichgewicht zu halten.

Drachen-Hexe

Die fünfte Hexe kommt angeritten, aber selbstverständlich nicht auf einem Pferd, sondern auf einem Drachen! Sie sitzt huckepack auf ihm, während der Drache fauchend (oder eher fluchend über das Gewicht der Hexe?!) mit ihr ins Zimmer stürmt und so tut, als ob er sie abschütteln will.

Schloss-Hexe

Die sechste Hexe fährt majestätisch in einer Kutsche vor. Aber was ist das für eine Kutsche! Ein Kind hat die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Das Pferd ist somit schon bereit und gezäumt. Zwei Kinder stehen dahinter, fassen mit beiden Händen je einen Arm des vorderen Kindes und beugen sich vor. Schon ist die Kutsche fertig und die verwegene Hexe kniet mit einem Bein auf dem Rücken des einen und mit dem anderen Bein auf dem Rücken des anderen Kindes und los geht‘s. Donnerwetter, sieht das gut aus, und wie gut die Schloss-Hexe das Gleichgewicht halten kann!

Der tüdelige Zauberer

Material: Luftballon, Sprühflasche, Tischdecke, T-Shirt, Hose, Socken

Der Zauberer sieht wirklich höchst seltsam aus: Er hat einen aufgeblasenen Ballon erst über einen Wollpullover gerieben und dann über seine Haare gehalten — schwups, standen sie alle zu Berge. So kämmen sich Zauberer, die Hexen lachen sich schlapp. Auch die Kleidung des Zauberers ist sehr verwegen. Mit den Beinen steckt er in seinem T-Shirt, die Socken sind über die Hände gezogen, die Hose hat er sich wie eine Mütze über den Kopf gestülpt und eine Tischdecke über die Schulter geworfen. Na klar, jeder Zauberer braucht einen Umhang, das weiß man doch! Normal ist das bestimmt nicht, aber wer ist hier schon normal?

Drachentanz

Die Drachen stellen sich gemeinsam mit einem Tanz vor. Zu einer langsamen Musik im Vierertakt bewegen sie sich synchron: rechtes Bein vor und wieder zurück, linker Arm seitwärts hoch, im Bogen zurück, einen Hopser nach vorn und stehen. Dann genau so weiter mit dem anderen Bein beginnend, nur am Ende einen Hopser nach hinten.

Hexenfestflug

Material: Zwei Besen

Nachdem sich alle Teilnehmer des Festes vorgestellt haben, veranstalten die Hexen einen Hexenflug. Die meisten sind jedoch ziemlich kurzsichtig, nicht nur die Schussel-Hexe. Deshalb haben fast alle ihre Blindendrachen dabei, die ihnen die Richtung ansagen, damit sie sich zurechtfinden und nirgends dagegen fliegen. Zwei Hexen beginnen: Sie nehmen ihre Besen zwischen die Beine, ihre Augen sind verbunden. Nun kommen die zwei Blindendrachen angeflogen, setzen sich hinter ihre Hexen und schon geht‘s los: Die Drachen kündigen lauthals an, ob der Besen nach rechts, links oder geradeaus fliegen soll. Kommt ihnen auf dem Flug ein Kirchturm oder ein anderes hohes Gebäude (Stühle, Tische o. Ä.) in die Quere, werden die Hexen rechtzeitig gewarnt, damit sie noch ausweichen können. Das klingt einfacher als es ist, denn viele Hexen wissen in der Aufregung nicht mehr, wo rechts oder links ist, und „fliegen“ zum großen Vergnügen der zuschauenden Hexen gelegentlich in die falsche Richtung.

Danach können zwei andere Hexen mit ihren Blindendrachen beweisen, ob sie besser blind fliegen können.

Auf zum Festschmaus!

Für den Hexenschmaus: Wäscheleine, weiße Zuckerschaummäuse, dicke Webnadel, fester Zwirn

Für die Drachenmahlzeit: grüne Fruchtgummischnüre, Teller, Handtuch, Umhang

Nach ihren waghalsigen Flugübungen sind die Hexen hungrig geworden. Darum gibt es jetzt erst einmal Frühstück. Was essen Hexen eigentlich? Zum Beispiel weiße Mäuse, wie lecker! Gewaschen sind die Mäuse offensichtlich schon, denn sie hängen zum Trocknen auf der Leine. Mit einer dicken Webnadel wurde Zwirn durch die Schwanzspitzen der süßen Tierchen gezogen und an der Wäscheleine festgebunden. Das eine Ende der Leine wurde an der Wand befestigt, das andere hält die Oberhexe fest. So kann sie die Höhe gut regulieren. Die Hexen hüpfen nämlich hoch und versuchen, eine Maus mit dem Mund zu schnappen.

Und was mögen Drachen? Herrlich grüne Spaghetti-Würmer! Jetzt muss der Zauberer helfen: Er nimmt einen leeren Teller, stellt ihn auf den Tisch, greift nach seinem Umhang und deckt ihn über den Teller. Nun murmelt er magische Worte, schwingt seinen Zauberstab und zieht mit einem Ruck das Tuch zurück. Nanu, das gibt es doch nicht, der Teller ist plötzlich voll grüner Würmer, der Leibspeise von Drachen!

Der Trick funktioniert folgendermaßen: Die Innenseite des Umhangs, den sich der Zauberer um die Schultern gehängt hat, ist mit einer Tasche präpariert, in der sich grüne Weingummischnüre befinden. Wenn sein Auftritt kommt, öffnet er zunächst den Verschluss am Hals, legt den Umhang über den Teller, greift unter das Tuch in die Tasche und holt die „Spaghetti“ heraus. Versteht sich von selbst, dass der Zauberer vorher ausreichend üben muss, damit sein Kunststück gelingt.

Illustrationen: Openclipart.org
Aufmacherfoto: Jürgen Fälchle/fotolia.com

Diesen Artikel haben wir aus Eckart Bückens Buch mit dem Titel „Feste für das Kinderjahr“ entnommen. Das Buch ist bei Burckhardthaus erschienen.

Eckart Bücken:
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Mit Kindern Feste vorbereiten und feiern,
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ISBN: 978-3-944548-15-9
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